
I really have to forgive this to be free
Someone tells about an injury, maybe about a father who was never there, about a friend who dropped one when it got serious, about a person who took life and thus left a wound that never completely closes, and hardly the sentence is spoken to at the end, she already comes, almost reflexive.
"You have to learn to forgive, otherwise you will never be free.
Perhaps the sentence was in a reel that just wandered through the social networks, perhaps he came from a spiritual counselor who actually meant it well, maybe an aunt told him at family dinner, with the best of all intentions, the content is almost always the same. Forgiving is made a condition for someone to go well again, and who has not yet forgiven, apparently still lacks a step on the way to himself.
And somewhere in the chest, something is coming together, no loud frightening, rather a quiet sting, because the phrase hits something you have already thought, in the middle of the night when the pain is still there, persistently, and the question fades in, what is not true with one.
Therapeutic concepts are complex, they need time, context, sometimes years, and social media rarely has room for it, so what remains if you press something on postcard size, a set that shares well because it listens well. This will result in a kind of checklist, a check that has to be set to allow the next step.
In doing so, forgiveness is not the problem. The problem is what is made of it when a possible result becomes a duty if a process that sometimes takes years or is never completely completed should suddenly apply immediately, is best done properly and without further circumstances cleared out of the way.
If forgiveness becomes a compulsory exercise, a person learns something definite, namely to skip his own injury before being properly looked at at at at all, as if it were obviously not important enough to stay with him for longer. Working becomes more important than feeling, and the wound is quickly connected without someone really seeing how deep it reaches.
This is not only evident in the big, obvious injuries. It is manifested in family dynamics that have existed for decades, in relationships that are broken, in loss of any kind, whether by death, by separation or by the slow disintegration of people who were once close, and wherever someone is forced to surrender early, the same silent message arises that their own violation is less important than the peace that is to be made by forgiveness.
It often looks like someone sits on the phone and says it's okay, though nothing's okay. That someone smiles at the family party next to the man who hurt him most, thinking that I should be over it long ago. The smile is really meant, and yet there is something that was never asked if it was ready at all.
Forgiving can be at the end of one's own process, it can adjust, sometimes after a long time, sometimes never, and both are all right. What is not right is the idea that forgiveness is the ticket to be here again, instead of a possible station on this way.
Aus der Akzeptanz und Commitment Therapie kennen wir eine Unterscheidung, die hier viel klarer macht, worum es eigentlich geht. Etwas anzunehmen, dass es geschehen ist, ist etwas anderes, als es gutzuheißen. Ich kann akzeptieren, dass mein Bruder sich das Leben genommen hat, und das bedeutet nicht forgive and forget. Akzeptanz nimmt der Sache nicht ihre Bedeutung und beendet auch nicht den eigenen Schmerz, sie öffnet eher einen Raum, in dem man daran wachsen kann, oder, wie es therapeutisch genannt wird, das Geschehene realistisch einzuordnen und zu integrieren.
Was für das Vergeben gilt, gilt fast genauso für das Verstehen. Erkläre dir doch mal, warum dein Vater so war, warum sie das getan hat, dann kannst du loslassen, heißt es dann, und auch hier schleicht sich eine stille Gleichung ein, dass wer versteht, irgendwie auch gutheißen muss, sonst hätte das Verstehen ja seinen Zweck verfehlt.
Das ist ein Trugschluss. Ich kann sehr genau nachvollziehen, aus welcher eigenen Geschichte heraus jemand verletzend gehandelt hat, und trotzdem dabei bleiben, dass es nicht in Ordnung war, denn Verstehen erklärt einen Vorgang, es bewertet ihn nicht. Wer beides vermischt, verlangt von sich selbst etwas Gefährliches, dass sich nämlich die eigene Wahrnehmung der Verletzung korrigiert, sobald ein Motiv sichtbar wird, und das bringt einen keinen Schritt weiter, sondern unterdrückt die eigene Erfahrung ein zweites Mal, nur diesmal mit psychologischem Vokabular verkleidet.
Wahrzunehmen, was geschehen ist, und ernst zu nehmen, wie es sich angefühlt hat und immer noch anfühlt, beim eigenen Tempo zu bleiben, auch wenn die Umgebung Druck macht, schneller zu sein, denn manche Verletzungen wollen erst gesehen werden, ganz und ohne Beschönigung, bevor irgendetwas mit ihnen geschehen kann, auch das Vergeben.
Dazu gehört vor allem eines, das oft übersprungen wird, nämlich den eigenen Schmerz ehrlich wahrzunehmen, als das, was er ist, anzuerkennen, dass etwas mit einem etwas gemacht hat, und dass es das noch immer tut. Das auszusprechen, ist selten leicht, es kollidiert häufig mit einer Loyalität, die wir dem Menschen gegenüber empfinden, der uns verletzt hat, und diese Loyalität verschwindet nicht einfach, nur weil jemand uns wehgetan hat. Genau das macht das Benennen des eigenen Schmerzes so schwer.
Manchmal klingt das in einem Satz, der in der Praxis fällt, ungefähr so. Ich habe ihr doch längst verziehen, warum tut es immer noch so weh, wenn ich ihren Namen höre. Da ist kein Widerspruch, Vergeben und Schmerz schließen sich nicht aus, beides darf nebeneinander bestehen, ohne dass das eine das andere ungültig macht.
Denn eigentlich geht es nie wirklich um das Vergeben, es geht um die Wunde, die geschlagen wurde. Vergeben ist nur das Wort, das wir benutzen, weil es griffiger klingt als der eigentliche Vorgang, nämlich dem zuzuhören, was da in einem schmerzt, immer noch, vielleicht für immer. Wer sich nur auf das Vergeben konzentriert, schaut an der Wunde vorbei, statt auf sie.
Und in diesem Prozess steht fast immer auch eine Klarheit, die nicht selten ist, auch wenn sie sich oft nicht so anfühlt. Wir sind ein Mensch, und der Mensch, der uns Schmerz bereitet hat, ist ebenfalls einer. Beides darf gleichzeitig wahr sein, die eigene Verletzung und die Menschlichkeit des anderen, ohne dass eines das andere aufhebt.
Vergeben darf sein, Verstehen darf sein, beides kann sich zeigen, wenn die Zeit dafür da ist, wenn überhaupt, und keiner von beiden braucht das Gutheißen als Eintrittspreis, keiner von beiden ist eine Pflicht, die erfüllt werden muss, damit jemand als zurechtgekommen gelten darf.
Vielleicht reicht es heute, einfach zu sagen, es tut immer noch weh, ohne im selben Satz noch hinzuzufügen, dass man ja daran arbeitet, dass es bald besser wird, dass man bestimmt bald drüber steht. Dieser eine ehrliche Satz, ausgesprochen oder still gedacht, darf für sich stehen bleiben, ohne Zusatz, ohne Rechtfertigung.
Manchmal ist der größte Schritt nicht das Verzeihen, sondern die Erlaubnis an sich selbst, noch nicht so weit zu sein, oder es vielleicht nie zu werden, und trotzdem ganz zu sein.
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