
thoughts about suicide, time and life after
It is a gray, windy Sunday morning and I do what probably many of us do when a bit of air arises between everyday life and obligations. I scroll through social media. Here is a like for something funny, there directly, because it doesn't interest me to spend a few seconds longer with all the sweet dogs, because I'm basically receptive and some things just don't have to be more complicated.
Nothing special. Until my look remains on a headline.
Fifty years later, and it’s still unlievable
Fifty years. I know exactly why I clicked on it. Because the subject accompanies me and is part of my life. And because numbers do something with us. Fifty years seem so absurdly long that my brain could not scroll any further.
The contribution comes from a person whose brother took life fifty years ago. He describes memories of this day that feel remote and close at the same time. Guilt, family, silence, the consequences of generations. And something that touched me. Not the question of why. But the question of how to live with it fifty years later.
And suddenly I don't just read. I'm starting to count. My brother took life 26 years ago. I was in the middle of twenty. He too.
In the first years after that, I have always tried to imagine how my life would look if five years have passed. Twenty. And every time this idea was barely tolerated. Not only because of longing, but because I thought that if it feels so unstoppable today, it must feel that way forever.
I know this fear many people know about a suicide. Not only the fear of loss, but the fear of the duration of the overwhelming pain. How should I ever be happy again. How can I do it without him? I'll feel my whole life like that. I'll make birthdays, Mother's Day, Father's Day, Christmas. Do I ever make life.
Looking back, this seems incredibly logical to me today. Because we can only imagine what we have never experienced. Our consciousness often understands earlier. The head hears sentences like: It won't always stay like that. You'll laugh again. You're going to live. And sometimes he even understands that. But our psyche often hangs long behind. Not because something is wrong. Perhaps as protection, perhaps from overrequest, perhaps because a person is not made to grasp something so overwhelmingly incomprehensible at once.
In the beginning, the mourning pain is often so all-consuming that one might think to only consist of it. And at the same time, time suddenly behaves strangely. Days are moving, weeks are blurring, months pass without telling what actually happened in it.
This feeling of time no longer seems illogical to me today. It may be exactly what mourning is. A separate time bill, not destined by man, but fed from emotions, memories, longing, fear, love and the inconceivable. She is not interested in calendar years how we could handle it and not even how it would have looked.
And suicidal mourning often brings with it something own. We don't just lose one person. We also lose the life we knew up to this event, often the idea of how life works, how secure relationships are, how future looks. And sometimes even the people we were until then.
Und obwohl niemand von uns sich dieses neue Leben ausgesucht hätte, beginnt irgendwann etwas Merkwürdiges. Wir wachsen hinein. Nicht weil wir loslassen. Nicht weil wir einverstanden sind. Nicht weil es plötzlich gut wird. Sondern weil das Leben, ob wir wollen oder nicht, weitergeht und wir Schritt für Schritt lernen, in einer Wirklichkeit zu leben, die wir nie haben wollten.
Und irgendwann schauen wir zurück und merken, dass wir nicht mehr dieselben Menschen sind. Nicht weil die Trauer uns verlassen hat, sondern weil wir um sie herum gewachsen sind.
Als ich diesen Text gelesen habe, habe ich mich zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder gefragt, wie sich fünfzig Jahre für mich anfühlen würden. Und überraschenderweise hatte diese Vorstellung nicht nur das bekannte Schmerzhafte im Gepäck, sondern auch etwas unerwartetes Tröstliches. Denn dann werde ich echt alt sein. Und irgendwie bringt mich dieser Gedanke meinem Bruder näher.
Und wieder ist da dieses Gefühl, das mich jedes Mal neu berührt. Die Sehnsucht und die Trauer, die früher so schneidend waren, dass ich dachte, ich könnte kaum atmen, geschweige denn überleben, sind heute für mich nicht mehr nur Ausdruck dessen, was fehlt. Sie sind auch der Beweis, dass er echt war. Dass ich ihn geliebt habe. Und dass ich ihn noch immer liebe. Nicht die Art, wie er gegangen ist, definiert ihn. Der Mensch, das Lebendige, alles was ihn ausmachte. Das ist mein Bruder.
Zwischen seinem Geburtstag und seinem Todestag liegt ein ganzes Universum Leben. Und das ist es, was ich spüre.
Er war nur 18 Monate jünger als ich und irgendwie schon immer da. Ein Mathematikgenie, das Gleichungen zum Spaß löste. Ein Gentleman mit trockenem Humor, der Frauen zum Lachen brachte und Tiere magisch anzog. Er brachte ihnen Tricks bei und hatte dabei erstaunliche Erfolge, weil sie sich einfach in ihn verliebten. So wie die meisten Menschen, die ihm begegneten. Und könnte er das jetzt lesen, wäre es ihm hochpeinlich. Typisch er.
Er war der Typ, der fragte wie es einem geht und dann wirklich zuhörte. Der spürte, wenn jemand etwas nicht sagte, und sanft dranblieb. Mit ihm hatte ich nie das Gefühl, allein zu sein.
Über die Jahre sind Trauer und Sehnsucht weniger zu Feinden geworden, gegen die ich kämpfen muss, um nicht überwältigt zu werden, und mehr zu Begleitern. Sie sind nicht immer angenehm, nicht immer leise. Und manchmal reißen sie auch heute noch an der Narbe in meinem Herzen. Aber sie erinnern mich daran, dass da einmal ein Leben mit meinem Bruder war. Der geliebt wurde und tief zurück liebte. Dessen Leben echt war und Spuren hinterlassen hat.
Das ist etwas, das ich damals nicht erahnen konnte und heute weiß. Nicht alles, was bleibt, ist Schmerz. Die Liebe bleibt. Und manchmal kommen Erkenntnisse dazu, neue Erlebnisse und Erinnerungen. Und manchmal verändert sich Trauer nicht dadurch, dass sie kleiner wird, sondern dadurch, dass das Leben um sie herum wieder größer werden darf.
Du musst heute nicht wissen, wie sich 50 Jahre anfühlen. Du warst dort noch nie. Bis dahin liegt ein ganzes Leben, nicht auf einmal, sondern aus vielen kleinen Jetzt zusammengesetzt. Aus Tagen, die du schaffst, obwohl du dachtest, du schaffst sie nicht. Aus Momenten, die dich überraschen. Aus Erinnerungen, die bleiben. Und aus neuen, die dazukommen dürfen. Nicht weil Trauer geht. Sondern weil das Leben langsam wieder Platz neben ihr findet.
Aus genau diesem Grund begleite ich Menschen, die nach einem Suizid weiterleben müssen. Nicht weil ich Antworten habe. Sondern weil ich weiß, wie sich diese Fragen anfühlen.
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